Latein nicht fein

„Deshalb gefällt mir das von den Pantomimen eifrig aufgeführte Stück nicht, wo das liebende Mädchen nachts, mit entzündetem Licht auf dem Turm stehend, den durchs Meer schwimmenden liebenden Jüngling erwartet.“
Ja – Sie haben richtig gelesen! Eine romantisch-dramatische Szene, zerstört durch einen groben Grammatikschnitzer, der auch uns etwa aus dem süddeutschen Raum oder dem saloppen Sprachgebrauch nur allzu bekannt vorkommt: „der Moment, wo sich Romeo das Leben nimmt“. Ein „wo“ taugt für jedes Relativpronomen, und so steht es auch „falsch“ im lateinischen Original: „fabula …, ubi“ – „das Stück, wo“. Verfasst wurde es ausgerechnet von einem Spitzenredner des 2. Jh. n. Chr. namens Marcus Cornelius Fronto, der noch dazu Lehrer der beiden Prinzen und späteren Kaiser Mark Aurel und Lucius Verus war. Und was brachte er denen bei? Nun: sicher nur lupenreines Latein, und in seinen ausgefeilten Reden wäre Fronto ein solcher Faux-pas sicher auch nie passiert. Der zitierte grammatische Stolperer aber gehört der Umgangssprache an: Er rutschte Fronto in einem seiner Briefe heraus und von dort direkt hinein in die dankbaren Hände der heutigen Forschung, die über dieses wertvolle Puzzleteil zur Rekonstruktion gesprochenen Lateins höchst erfreut ist.

Quelle: Marcus Cornelius Fronto, Epistulae ad Marcum Caesarem et invicem 3, 14, 4.

Die „Hundsphilosophen“

Diogenes (um 412/403-324/321 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph der besonderen Art. Ein glückliches Leben bedeutete für ihn Unabhängigkeit und Freiheit, indem man auf Reichtum und jegliche Annehmlichkeit verzichtet und sich aus allen gesellschaftlichen und religiösen Zwängen ausklinkt. Er selbst lebte es so vor, schlief in einem Vorratsgefäß und trieb sich verwahrlost auf dem Marktplatz von Korinth herum, wo er seine Mitmenschen laut kritisierte und teils aggressiv und beleidigend provozierte. Am hellichten Tag soll er dort mit einer Lampe auf der Suche nach einem wahren Menschen herumgelaufen sein!
Gleichwohl weckte er sogar bei der höchsten Prominenz Interesse. Selbst Alexander d. Gr. suchte ihn auf und fragte, was er sich von ihm wünsche. Diogenes aber, von den gesellschaftlichen Konventionen der Höflichkeit und des Respekts offensichtlich völlig befreit, antwortete ihm nur: „Geh mir ein wenig aus der Sonne!“

Seine Erscheinung und Lebensweise quittierte man ihm mit dem Spottnamen „kyon“ (griechisch für „Hund“), weshalb seine Anhänger Kyniker hießen. Aus diesem Wort sind die heutigen „Zyniker“ geworden.

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